Prolog
Lange
schon spukte mir, angeregt durch Radreiseberichte, eine Reise durch
das französische Jura im Kopf herum. Hinzu kam der seit langem
gehegte Wunsch, Saint Claude, einstmals die Metropole der
Pfeifenherstellung in Europa, zu besuchen.
Was
lag also näher als beides miteinander zu verbinden und so entschloss
ich mich Ende letzten Jahres, Nägel mit Köpfen zu machen und
begann, eine Route auszuarbeiten. Sie sollte einen Freund, und
mich von Genf aus nach Saint Claude und dann über weitere Stationen
bis nach Freiburg führen.
Von
Berlin aus sollte es mit dem Flugzeug nach Genf und von Freiburg aus
wollten wir mit der Bahn zurück fahren. Soweit der Plan.
Prinzipiell
blieb es dabei, nur leider musste mein Freund zwei Wochen vor Reisebeginn
aus beruflichen Gründen absagen.
In
der Kürze der Zeit fand sich natürlich kein anderer Mitfahrer, so
dass ich schließlich am Mittwoch, dem 24.05.2017 die Reise allein
antrat.
Berlin
- Genf - Saint Claude, Mittwoch 24.05.2017
Der
erste Tag...
...sollte
sehr früh beginnen. Ich wollte möglichst früh dasein, da ich über
keine, aber auch gar keine Erfahrungen im Fliegen mit Fahrrad hatte.
Das
hieß um 3 Uhr morgens austehen, den ganzen Kram in den Hausflur
schleppen, etwas frühstücken, Kaffee trinken, mich verabschieden.
Das Großraum-Taxi war für 03.45 bestellt und war mehr
als pünktlich.
Auf
jeden Fall stand ich mehr oder weniger wach gegen halb fünf auf dem
Flughafen und hatte noch jede Menge Zeit für einen Becher Kaffee und
eine Stulle.
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Schönefeld vor dem Abflug |
Der
CheckIn war komplett unproblemtisch.
Ich
hatte vorher alles gut verpackt und gewogen, das Fahrrad kam mit
Karton und ohne Schloss auf 23 kg, an Gepäck hatte ich insgesamt
21kg dabei.
Auch
die Sicherheitskontrolle war ein Klacks, lediglich mein Fahrradschloß
musste ich aus meinem Handgepäck, einer Lowridertasche,
herauskramen.
Punkt
sieben Uhr startete das Flugzeug und kurz vor neun waren wir bereits
in Genf.
Meinen
Fahrradkarton und mein restliches Gepäck war schnell gefunden.
Mit
einem Gepäckwagen transportierte ich den ganzen Kram vor den Flughafen und
baute mein Rad zusammen. Den Karton habe ich zusammengefaltet neben
einem Papierkorb abgestellt, war die einfachste Lösung und niemand
beschwerte sich darüber. War auch keiner in der Nähe.
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Start in Genf |
Dann
war es soweit, ich konnte bei strahlendem Sonnenschein und knapp 25
Grad in die Pedale treten.
Natürlich
war es wie immer. Ich habe mich erst mal verfahren und bin einen
halben Kilometer in die Schweiz hinein statt heraus gefahren. Meinen
Fehler hat der Falk* aber recht bald bemerkt und ich bin umgedreht und
auf die richtige Route eingeschwenkt.
Mein
erstes Ziel war der Carrefour kurz hinter der Grenze in
Ferney-Voltaire. Ich brauchte etwas zum Essen, Wasser und eine
Gaskartusche. Nachdem das erledigt hatte, begann ich mich in Richtung
Saint Claude zu bewegen. Die Berge die mich erwarteten, konnte ich
schon von weitem sehen.
Jura in Sichtweite |
Um
ehrlich zu sein, etwas Bammel hatte ich schon vor den von Kommoot
vorhergesagten Höhenmetern. Nicht zu Unrecht, wie sich wenig später
herausstellen sollte.
Die
Fahrt nach Gex war noch recht entspannt, auch durch Gex hindurch
musste ich mir noch nicht allzu viel Mühe geben.
Gex |
Aber
dann strafte mich mein jugendlicher Leichtsinn, hatte ich doch wider
besseren Wissens die von Kommoot vorgeschlagene kürzere Route
ausgewählt.
So
verließ ich, Kommoot folgend, hinter Gex die Hauptstrasse und fuhr
auf kleineren Nebenstraßen weiter. Das bescherte mir die ersten
Anstiege, die um einiges steiler waren als gedacht. Irgendwann
erreichte ich, schon etwas angegriffen, nach etwa 18km die D1005, die
„meine“ Strasse in Richtung Saint Claude.
Spätestens
da wurde mir klar, dass ich mich verrechnet hatte. Statt einer
Steigung, die zwischen 6 und 7 Prozent lag, erwarteten mich eher 8
bis 9 Prozent. Auf kurzen Strecken kein Problem, aber auf einer
Strecke von 10-12 km?
Aber
irgendwie musste ich ja durch. Den ersten Kilometer bin ich noch
gefahren, ich schreibe bewußt „den“ ersten Kilometer, alles
andere wäre gelogen.
Danach
war Radwandern angesagt, im wahrsten Sinn des Wortes.
Ich
kann jetzt nicht sagen, dass ich das genossen habe. Es war inzwischen
sehr warm, es hat überhaupt keinen Spass gemacht und jede Menge
Kraft gekostet.
Zwei
Dinge haben mich dennoch getröstet.
Erstens
konnte ich die tolle Landschaft mehr als eines Blickes würdigen ohne
vom Rad steigen zu müssen und zweitens war ich mit knapp 4,5 km/h
beim Schieben nicht soviel langsamer, als wenn ich im ersten Gang
hochgekurbelt wäre...
Blick zurück in Richtung Schweiz |
Also
habe ich geschoben. An vermeintlich flacheren Stellen bin ich dann ab
und an ein Stück gefahren. Irgendwann habe ich auch das aufgegeben
und lieber die Landschaft genossen.
Noch
ein paar Impressionen von der Strasse:
...leider in die falsche Richtung... |
die D1005 früher: Route Impériale N°5 von Genf nach Dijon von 1805 |
...nur bergauf... |
Aber
irgendwann nach etlichen Kilometern und etlichen Pausen sah ich
Licht am Ende des Tunnels oder eher am Ende des Berges...
kurz vor dem Ende des Aufstieges |
...den
Col de la Faucille in 1323m Höhe, den ersten Pass in meiner
Radfahrerkarriere hatte ich erreicht. Ich hatte immerhin noch genug
Energie, ein Passfoto zu schiessen und die letzten Meter hochzufahren
( der Ehre wegen)...
Col de la Faucille |
Danach
sollte es bergab gehen. Aber erneut hatte ich die Rechnung ohne
Kommoot gemacht. Statt mich schön die Strasse hinab zu führen,
wurde ich auf eine üble Schotterstrecke, die ehemalige Route Royale,
gelotst.
Das
war einer der Momente, in denen ich froh war, mich für das eher
robusten Velotraum-Rad entschieden zu haben.
Jeder
Mountainbikefahrer ohne Gepäck hätte diese Abfahrt mit dem
teilweise faustgroßen Schotter- und Geröllstücken sicher genossen.
Aber
das hätte ich mir zähneknirschend noch gefallen lassen. Ich bin ja
auch da noch
gut
durchgekommen, wenn auch nicht besonders schnell.
Der
nächste Abzweig, den mir Kommot präsentierte, war einfach eine
Geröllpfad von vielleicht 200 m nur gerade runter durch den Wald.
Das hätte auch mit dem Mountainbike keinen richtigen Spass mehr
gemacht.
Ich
stand also vor der Entscheidung wieder zurückzufahren, einen anderen
Weg zu suchen oder... also doch. Die ganze Fuhre über das ganze
Geröll mehr gehoben als geschoben nach unten bugsiert.
Unten
angekommen war ich völlig platt. Die 3 Liter Wasser, die ich am
Morgen gekauft hatte, waren auch fast alle. Inzischen war es nach
17.00 Uhr und war ich ich in Mijoux. Ich wusste, dort gibt es einen
Supermarkt, da könnte ich etwas zu trinken besorgen.
Was
ich nicht gelesen und womit ich nicht gerechnet hatte:
„...fermé
mardi après-midi et mercredi... „*
Danach
wollte ich nur noch zum Campingplatz inzwischen lief mir auch die
Zeit davon, habe Kommoot Kommoot sein lassen und bin die D436 in
Richtung Saint Claude gefahren.
Von
letzten 20 Kilometer ist mir nicht mehr viel in Erinnerung geblieben.
Anfangs ging es noch einmal ein Stück bergauf, aber dann wie im
Rausch 15 km nur noch bergab nach Saint Claude. Kurz vor Saint Claude
– die Pfeifenfabrik von Chacom.
Chacom |
Mein
Ziel war der Zeltplatz Le Martinet, den ich gegen 19.15 h erreicht
habe.Zu meinem Glück war auch die Reception noch besetzt, so dass
ich neben einem Stellplatz auch noch ein kaltes Heinecken ergattern
konnte.
Nachdem
mein Zelt stand, bin ich in den Helinox gesunken und habe erst mal
die Beine ausgestreckt, Kaffee getrunken, etwas
gegessen, Pfeifchen geraucht, den schönen Ausblick und anschliessend das
Heinecken genossen.
Camping le Martinet |
Fazit
des ersten Tages: Total erledigt, aber trotzdem forh, dass ich es
geschafft habe.
Zurückgelegt: 55,17km
Fahrzeit: 5:55
h
durchn.
Geschw.: 9,48 km/h
Höhenmeter: 1189
Die geplante Route bei Kommoot:
* der Falk - mein Fahrradnavi
*„...fermé
mardi après-midi et mercredi... ":
Dienstagnachmittag und Mittwoch geschlossen
MTB Strecke bergab
Chacom
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